Sweatcoins zur Adipositas-Bekämpfung?

Aktualisiert: Mai 13



In der Kategorie "Mehr als Ernährung" stellen wir regelmäßig Tipps & Tricks für den Alltag vor. Dabei geht es um nachhaltige Kaufentscheidungen, nachhaltiges Banking oder auch um Sweatcoins.


Und nein, ich möchte Euch hier nicht dazu verleiten in irgendeine Kryptowährung zu investieren. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Sweatcoins überhaupt in diese Kategorie fallen. Doch was sind Sweatcoins denn überhaupt?


Der Mini-Hype ist seit ein paar Jahren in Amerika größer und größer geworden und Menschen laden sich die gleichnamige Sweatcoin-App auf Ihr Smartphone. Über 6.000 Downloads im AppStore (IOS) und eine durchschnittliche 4,3 Sterne-Bewertung ließen mich hellhörig werden. Prinzipiell geben die Entwickler an, dass die App uns für gelaufene Schritte bezahlt. Dazu greift die App auf die (in fast jedem Smartphone) vorhandenen Schrittzählerprogramme zu. Man erhält circa pro 1.000 Schritten einen Sweatcoin. Und Sweatcoin wiederum, so die Entwickler weiter, kann man sich einfach nach dem Erreichen gewisser Schwellen in USD auszahlen lassen oder damit bestimmte Produkte erwerben.


Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Die einzige Auszahlungshöhe in USD beträgt direkt 1.000$, wofür die App 20.000 Sweatcoins verlangt. Pro Tag kann man maximal, je nach gewähltem Level (Mover, Shaker, Quaker, Breaker) 20 Sweatcoins erlaufen. Zusätzlich zum aktiven Part, gibt es auch noch Boni von bis zu 25 Sweatcoins pro Tag für das Ansehen von 3 Werbefilmen à 30 Sekunden. Bei mir liegt so der Durchschnitt pro Tag nach einer Woche bei etwa 20 Sweatcoins (10 - 15 Sweatcoins erlaufen + durchschnittlich 5 Sweatcoins durch Werbung). Eine einfache Milchmädchenrechnung bringt es so auf den Punkt.


1.000$ / 20.000 Sweatcoins = 0,05 $ pro Sweatcoin.


Reich wird man damit nicht. Ich müsste so meinen Tagesdurchschnitt also 1.000 Tage in Folge erreichen um nach etwas weniger als 3 Jahren mir endlich 1.000$ per PayPal auszahlen zu können.




Wie die App also selbst Ihr Geld verdient ist klar. Werbung schalten und Produkte von Partnern verkaufen. In einigen Foren wird auch gemunkelt, dass die App im Hintergrund Sweatcoins oder andere, tatsächliche Kryptowährungen "mined" und dafür die Rechenleistung des Smartphones verwendet. Darüber hinaus habe ich in meinen Recherchen keinen einzigen Fall, zumindest auf YouTube, gefunden, der tatsächlich gezeigt hat, dass man sich am Ende auch wirklich 1.000$ überweisen konnte.


Im Großen und Ganzen also nur ein Vorteil für die App-Entwickler. Die sammeln Daten, bewerben Produkte und "schürfen" vielleicht sogar noch Kryptowährungen, oder?


Nicht so schnell. Ich persönlich finde es natürlich nicht gut, dass man möglicherweise sensible Daten teilt (obwohl zugegeben: ich habe der App weder Zugriff auf mein Mikrofon, auf meine Kamera noch auf meinen Standort gegeben), Werbung ausgesetzt wird und am Ende vielleicht nicht mal bezahlt wird.


ABER gerade in Amerika und mittlerweile auch immer mehr in Europa steigen die Zahlen an Übergewichten und Adipösen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an. Dies ist neben einer ungünstigen Ernährungsweise auch auf zu wenig Bewegung und Sport zurückzuführen. Wenn jetzt eine solche App (ähnlich wie vielleicht Pokémon Go) einen kleinen Hype auslöst und neugierige Menschen dazu verleitet sich über eine gewisse Zeit täglich häufiger zu bewegen, dann hat dies meiner Meinung nach gesamtgesellschaftlich gesehen mehr Vorteile als Nachteile. Vielleicht bin ich hier auch ein bisschen blauäugig und ja es gibt auch genug andere funktionierende Maßnahmen inklusive Apps zur Steigerung der individuellen Aktivität, aber einen virtuellen Coin mit Schritten zu generieren ist nach dem Erfolg oder Misserfolg der Kryptowährungen in den letzten Jahren ein interessanter Ansatz.


Ich werde die App, so denke ich gerade, einfach im Hintergrund weiter laufen lassen. Denn, 10.000 Schritte täglich zu erreichen ist seit Eintritt des Corona-Zeitalters sowieso mein Ziel geworden. Die App zählt dann einfach wohl oder übel mit und generiert ein paar Sweatcoins.


Wer die App nun selbst einmal ausprobieren möchte, darf gerne hier* starten.


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