• Esther Zerback

Die Bedeutung der Ernährung in Zeiten des Coronavirus - was Ernährung leisten kann

Aktualisiert: Mai 14



Das Coronavirus beschäftigt derzeit die ganze Welt und bestimmt den Alltag unzähliger Menschen. Geschäfte schließen, Ausgangssperren werden erlassen, ganze Städte und teilweise sogar ganze Länder werden abgeriegelt.

Neben vielen weiteren Wissenschaftsdisziplinen befasst sich auch die Ernährungswissenschaft mit der Thematik des Coronavirus und untersucht, welche Bedeutung die Ernährung beim Schutz vor viralen Infektionen haben kann.


Gängige effektive Public-Health-Strategien, die die Ausbreitung und die Auswirkung von virusbedingten Atemwegserkrankungen eindämmen können und die uns nun täglich von den Medien gepredigt werden, umfassen das Händewaschen, die Meidung des Kontakts zu Infizierten und das Husten und Nießen in die Armbeuge (1). Darüber hinaus besteht bei bestimmten Viruserkrankungen die Möglichkeit sich vor ihnen durch eine jährliche Impfung zu schützen. In Diskussionen um Immunität und den Schutz vor Infektion werden ernährungsbezogene Strategien zur Unterstützung der optimalen Immunfunktion oftmals nur stiefmütterlich behandelt, obwohl bereits bestens bekannt ist, dass der Ernährung in Bezug auf die Funktionalität des Immunsystems eine bedeutende Rolle zukommt (2).


Nun stellt sich natürlich die Frage, wie wir uns konkret durch unsere Ernährung zu einem bestimmten Grad vor viralen Infektionen und somit auch aktuell vor Covid-19 schützen können. Wissenschaftlich belegt ist, dass unter anderem die Vitamine A, B6, B12, C, D, E und Folat und die Spurenelemente Zink, Eisen, Selen, Magnesium und Kupfer eine wichtige Rolle bei der Unterstützung unseres Immunsystems haben. Zusätzlich schützen gerade die langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) vor Entzündungen und helfen so dabei, dass sich das Immunsystem voll und ganz auf externe Erreger konzentrieren kann (2).

Fest steht auch, dass Nährstoffdefizite oder geringe Nährstoffspeicher die Immunfunktion negativ beeinflussen und zu einer gesteigerten Anfälligkeit für Infektionen führen (3, 4).

Offensichtlich ist also eine ganze Reihe an Nährstoffen an einer optimalen Immunfunktion beteiligt.

Eine ideale Zufuhr all dieser Nährstoffe kann durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung (2), die auf einer überwiegend (5) oder (unter bestimmten Voraussetzungen) ausschließlich pflanzenbetonten Kost basiert (6), erreicht werden.

Der Versorgungsstatus der durchschnittlichen europäischen Bevölkerung zeigt jedoch, dass eine solche Ernährungsform von den wenigsten praktiziert wird. Gerade eine Nährstoffbedarfsdeckung mit Vitamin D, Vitamin E, Vitamin C, Folat und Selen ist in Europa kaum gegeben (7). Gerade in älteren Gruppen kann beobachtet werden, dass die Versorgung mit Vitamin C (8), Vitamin D (9) und/oder Vitamin B12 (10) nicht ausreichend gegeben ist. Dies könnte eine Erklärung sein, weshalb gerade diese Altersklasse mit einem geschwächten Immunsystem zu kämpfen hat und bei neuartigen Infektionen ohne ausreichende Impfung einem besonders hohen Risiko ausgesetzt ist.

Zurückführen lässt sich dieser schlechte Versorgungsstatus auf eine doch sehr einseitige Ernährungsweise der Allgemeinbevölkerung. Laut der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) konsumieren Erwachsene im Schnitt zu viel Fleisch, Fleischerzeugnisse und Wurstwaren, während die Orientierungswerte für den Verzehr von Gemüse und Obst nicht erreicht werden (11).


Es gibt deshalb viel Luft nach oben. Eine Übersicht der Nährstoffe und deren Vorkommen in pflanzlichen Lebensmitteln ist in Tab. 1 dargestellt. Dabei empfehlen wir für den Dreiklang aus Ethik, Ökologie und Gesundheit die Kombination von verschiedenen Obst- und Gemüsesorten, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreideprodukten und Nüssen bzw. Samen.

Der Vollständigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass rein aus gesundheitlicher Sicht auch geringe Mengen tierischer Produkte verzehrt werden können, um bestimmte Nährstoffe wie allen voran Vitamin B12 zuzuführen. Diese dienen jedoch lediglich als Ergänzung einer pflanzenbasierten Ernährung und werden von uns aus ökologischer und ethischer Sicht nicht empfohlen.

Eine Übersicht über die Empfehlungen für eine ausgewogene Mischkost (inkl. tierischer Produkte) finden Sie bei der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Tab. 1: Übersicht der Nährstoffe und deren Vorkommen in pflanzlichen Lebensmitteln (12, 13*, 14*)

Literaturverzeichnis

1. U.S. Centers for Disease Control (2019): Take 3 Actions to Fight Flu


2. Calder, P.C.; Carr, A.C.; Gombart, A.F.; Eggersdorfer, M. (2020): Optimal Nutritional Status for a Well-Functioning Immune System is an Important Factor to Protect Against Viral Infections. Preprints 2020, 2020030199


3. Carr, A.C.; Maggini, S. (2017): Vitamin C and immune function. Nutrients 2017, 9, 1211


4. Gombart, A.F.; Pierre, A.; Maggini, S. (2020): A review of micronutrients and the immune system–working in harmony to reduce the risk of infection. Nutrients 2020, 12, 236


5. DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) (2020): Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE


6. Melina V, Craig W, Levin S (2016): Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets. J Acad Nutr Diet 116:1970–1980


7. Elmadfa et al. (2009): European Nutrition and Health Report 2009. Forum Nutr. 2009;62:1-405


8. Hemilä, H. (2017): Vitamin C and infections. Nutrients 2017, 9, 339


9. Boucher (2019): Vitamin D status and its management for achieving optimal health benefits in the elderly. Expert Rev Endocrinol Metab. 2018 Nov;13(6):279-293


10. Hughes CF, Ward M, Hoey L, McNulty H. (2013): Vitamin B12 and ageing: current issues and interaction with folate. Ann Clin Biochem 2013;50:315–329


11. MRI (Max-Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel) (Hrsg.) (2008): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht Teil II. Die bundesweite Befragung zur Ernährung von Jugendlichen und Erwachsenen. Karlsruhe


12. Richter Ma, Boeing H (2016): Vegane Ernährung - Position der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Ernahrungs Umsch 92–102


13. Heseker H, Heseker B (2019): Die Nährwerttabelle 2019/2020. 6. Auflage. Bonn*


14. DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), ÖGE (Österreichische Gesellschaft für Ernährung), SGE (Schweizerische Gesellschaft für Ernährung) (2018): D-A-C-H-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2. Auflage, 4. akt. Ausgabe. Neuer Umschau Buchverlag, Bonn*

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