Warum eine pflanzliche Ernährung uns und dem Planeten hilft!
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Warum eine pflanzliche Ernährung uns und dem Planeten hilft!

Die aktuelle Literatur ist in diesen Punkten sehr aussagekräftig. Mehrere Untersuchungen bestätigen protektive Effekte einer überwiegend pflanzlichen Ernährung in Bezug auf chronische Erkrankungen. Darüber hinaus ist die Ernährungsweise ein großer, wenn nicht sogar der größte, Ansatzpunkt im Hinblick auf die Welternährungsproblematik mit schätzungsweise 10 Mrd. Menschen bis 2050.1

Immer mehr Menschen leben vegan, oder zumindest überwiegend pflanzlich. Der Vegetarier Bund Deutschland geht von schätzungsweise 8 Millionen Vegetariern und 1,3 Millionen Veganern in Deutschland aus.2 Diese verzichten entweder auf jegliche tierischen Produkte oder schränken die Zufuhr dieser stark ein.3

Das Buch „Vegetarische Ernährung“ von Prof. Dr. Claus Leitzmann und Prof. Dr. Markus Keller* ist das ernährungswissenschaftliche Standardwerk, welches in Bezug auf eine pflanzenbasierte Kost die notwendigen Hintergründe und Antworten liefert. Es diente diesem Artikel als erste Anlaufstelle der Literaturrecherche und ist wärmstens Wissenschaftlern der jeweiligen Fachgebiete aber auch Laien zu empfehlen.

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Die Zusammensetzung der Ernährung, insbesondere die Relation von tierischen zu pflanzlichen Lebensmitteln, bestimmen neben dem Verarbeitungsgrad nach bisherigen Erkenntnissen das Risiko für ernährungs(mit)bedingte Erkrankungen.4 Dies bestätigt sich beispielsweise durch epidemiologische Studien, welche zeigen, dass eine hohe Zufuhr von rotem Fleisch und insbesondere von Fleischerzeugnissen das Risiko für viele Krankheiten, wie bestimmte Krebsarten, erhöht.5, 6, 7 Gleichzeitig wirken hohe Anteile an ballaststoffreichen Getreideprodukten sowie Gemüse und Obst in Bezug auf viele Krankheitsrisiken (z. B. Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes mellitus Typ 2) risikosenkend.8, 9

Gerade im Hinblick auf die oben genannten Lebensmittel haben vegetarische Kostformen häufig eine günstigere Zusammensetzung als die übliche westliche Mischkost.10

Eine Metaanalyse von mehreren Beobachtungsstudien bestätigte darüber hinaus, dass Personen, die sich vegetarisch ernährten, ein geringeres Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen sowie Herzkrankheiten und Krebs hatten.11

In Bezug auf eine rein vegane Ernährung sind die Ergebnisse ähnlich. Die größten Studien, welche die rein pflanzliche Ernährung mit einbeziehen, sind die EPIC-Oxford Study und die Adventist Health Study 2 mit zusammen 6700 Veganer*innen.12, 13, 14 Es wurde sowohl die Häufigkeit chronischer Erkrankungen als auch die Sterblichkeitsrate untersucht und bewertet.

Um nur einige Ergebnisse dieser Untersuchungen zu nennen, hier ein paar Beispiele:

  • Für Diabetes mellitus Typ 2 liegt die Prävalenz (Wahrscheinlichkeit der Erkrankung) bei einer veganen Ernährung mit 2,9 % am niedrigsten.15
  • Bei den über 11.000 Teilnehmer*innen der EPIC OXFORT STUDY wiesen ebenfalls Veganer*innen die niedrigsten Hypertonieraten (Raten für Bluthochdruck) auf. Diese Daten waren sogar Alters- und BMI-bereinigt, da mit steigendem Alter und erhöhtem BMI (Body-Mass-Index) das Risiko für Bluthochdruck unabhängig von der Ernährungsweise tendenziell ansteigt.16
  • In der Oxford Vegetarian Study lag die durchschnittliche Konzentration des Gesamtcholesterins von Vegetariern mit 166 mg/dl, 36 mg/dl unter der von Omnivoren (Mischköstler*innen). Die Unterschiede entfielen fast vollständig auf die LDL-Fraktion. 17 Ein erhöhter LDL-(“schlechter”-) Cholesterinspiegel, aber auch ein zu hoher Spiegel an Gesamtcholesterin, ist ein großer Risikofaktor für Arteriosklerose.18

Es zeigt sich also, dass eine überwiegend pflanzliche Ernährungsweise im Schnitt mit einer geringeren Mortalität (Sterblichkeitsrate) und einer geringeren Rate an chronischen Erkrankungen einhergeht. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um eine ausgewogene und gut geplante pflanzliche Kost handelt und kritische Nährstoffe beachtet werden.

Als Hauptgrund für die Wahl einer vegetarischen Ernährungsweise werden neben gesundheitlichen und ökologischen Vorteilen hauptsächlich ethische Aspekte genannt.19 Doch gerade im Hinblick auf die wachsende Bevölkerung und den Klimawandel werden dringend ökologische Lösungsansätze benötigt, die von jeder Person im Alltag durchführbar sind. Und da kommt eine überwiegend, im Idealfall ausschließlich pflanzliche Kost ins Spiel.

Rund um die Produktion tierischer Produkte werden ökologisch abträgliche Prozesse in Kauf genommen. Sei es die Herstellung von immensen Mengen an Futtermitteln, welche meistens aus intensiv bewirtschafteten Monokulturen stammen20, 21 oder auch gasförmigen Emissionen aus dem Stoffwechsel der Tiere, welche das Klima schädigen.22 Neben diesen Aspekten, kristallisiert sich jedoch ein, für jeden gesunden Menschenverstand ersichtlicher, Fakt heraus – die Effizienz. Seit tausenden von Jahren versuchen die Menschen immer effizienter zu werden. In unserer heutigen Zeit wollen wir mit immer kleineren Motoren/Batterien immer weiterkommen oder mit immer weniger Platz, immer mehr Fleisch und tierische Produkte, aber auch pflanzliche Erzeugnisse herstellen. Irgendwann ist, gerade bei tierischen Produkten, jedoch die Grenze erreicht. Tierische Lebensmittel werden nie so effizient sein wie ihre pflanzliche Konkurrenz, da sie einen wesentlichen höheren Primärenergieaufwand haben. Um dies zu verdeutlichen wird sich das Verhältnis von Energieaufwand zu Energieertrag angeschaut. Während Kartoffeln ein Verhältnis von 1:2 aufweisen, können Rindfleisch oder Fische nur ein Verhältnis zwischen 10-35:1 und 10-250:1 bieten.23 Übersetzt bedeutet das, dass für die Produktion von Rindfleisch die bis zu 35-fache Menge an Primärenergie verbraucht wird, als Nahrungsenergie im verzehrstauglichen Produkt enthalten ist. Bei der Herstellung pflanzlicher Lebensmittel ist der erzeugte Nahrungsenergiegehalt dagegen meist deutlich höher als die eingesetzte Primärenergie.24 Hinzu kommt ein erheblich höherer Wasserverbrauch und größerer Veredelungsverluste (Lebensmittelabfall, ‑verschwendung oder Tierfutter) bei der Herstellung tierischer Lebensmittel.25, 26 Auch der Landverbrauch ist im Vergleich bei der Produktion tierischer Nahrungsmittel mit dem 5-10-fachen so viel höher, dass schon von Ressourcenverschwendung gesprochen werden kann.27

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Um bis 2050 möglicherweise 10 Mrd. Menschen zu ernähren28, ist ein Umdenken dringend notwendig. Die Weltressourcen reichen dafür aus, solange diese effizient und nicht verschwenderisch genutzt werden. Das eine überwiegend pflanzliche Ernährung dahingehend den größtmöglichen Erfolg bietet, unterstreicht die Untersuchung der Universität Gießen. In dieser wurden verschiedene Ernährungsstile auf ihre Klimawirkung untersucht. Eine durchschnittliche Mischkost mit viel Fleisch schnitt dabei erwartungsgemäß am schlechtesten ab, während eine ökologische, vollwertige Ernährung ohne Fleisch die Treibhausgasemissionen im Vergleich um 61 % reduzieren konnte.29

Abbildung aus Leitzmann, Keller 2010*, S. 333 nach Hoffmann 2002, S. 308

Ein abschließender Vergleich bringt es letztendlich auf den Punkt. Die landwirtschaftliche Tierhaltung zählt zu den weltweit größten Verursachern des Klimawandels. Mit einem Anteil von 14,5 % der vom Menschen verursachten Treibhausgase trägt sie mehr zum Klimawandel bei als der gesamte Transportsektor, also Autos, Flugzeuge, Züge und Schiffe zusammengenommen.

Vegetarische Ernährungsformen leisten somit einen entscheidenden Beitrag zur Schonung der Umwelt und zum Schutz des Klimas. Hinzu kommt, dass im Ernährungsbereich persönliche Entscheidungen für ein umweltverträglicheres Verhalten leichter in die Tat umgesetzt werden können als in anderen Bereichen.31

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass alle Verbraucher dazu angehalten sind, nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus gesundheitlichen Aspekten, eine zumindest überwiegend pflanzliche Ernährung zu praktizieren um die Umwelt sowie sich selbst nicht weiter zu überlasten.

Der Beitrag schließt deshalb mit einem passenden Zitat von Dr. Michael Greger:

 
“Die ethischste Ernährungsweise ist zufällig die ökologischste und ganz zufällig auch die gesündeste.”

Dr. Michael Greger, Autor von How Not To Die und Gründer von nutritionfacts.org


Quellen:

1United Nations (2017): Population Division. World Population Prospects 2017, Zugriff am 10. Oktober 2018. Verfügbar unter https://population.un.org/wpp/

2VEBU (2018): Anzahl der Vegetarier in Deutschland. Zugriff am 10. Oktober 2018. Verfügbar unter: https://vebu.de/veggie-fakten/entwicklung-in-zahlen/anzahl-veganer-und-vegetarier-in-deutschland/

3Leitzmann C, Keller M (2010): Vegetarische Ernährung. 2. Auflage. Stuttgart: Eugen Ulmer Verlag, 2010

4Richter M, Boeing H, Grünewald- Funk D, Heseker H, Kroke A, Leschik-Bonnet E, Oberritter H, Strohm D, Watzl B for the German Nutrition Society (DGE) (2016) Vegan diet. Position of the German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau 63(04): 92– 102. Erratum in: 63(05): M262

5Bouvard V, Loomis D, Guyton KZ et al. (2015) Carcinogenicity of consumption of red and processed meat. Lancet Oncol 16: 1599–1600

6Boeing H. Prävention durch Ernährung. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hg). 12. Ernährungsbericht 2012, Bonn (2012), S. 319–354

7World Cancer Research Fund (WCRF), American Institute for Cancer Research (AICR) (Hg). Food, nutrition, physical ac- tivity, and the prevention of cancer: a global perspective. Washington DC (2007)

8Boeing H, Bechthold A, Bub A et al. (2012) Critical review: vegetables and fruit in the prevention of chronic diseases. Eur J Clin Nutr 51: 637–663

9Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (Hg). Kohlenhydratzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten – Evidenzbasierte Leitlinie. Bonn (2011) URL: www.dge.de/wissenschaft/leitlinien/leitlinie-kohlenhydrate/ Zugriff 11.02.16

10Richter M, Boeing H, Grünewald- Funk D, Heseker H, Kroke A, Leschik-Bonnet E, Oberritter H, Strohm D, Watzl B for the German Nutrition Society (DGE) (2016) Vegan diet. Position of the German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau 63(04): 92– 102. Erratum in: 63(05): M262

11Dinu M, Abbate R, Gensini GF et al. (2016) Vegetarian, vegan diets and multiple health outcomes: a systematic review with me- ta-analysis of observational studies. Crit Rev Food Sci Nutr [Epub ahead of print]

12Davey GK, Spencer EA, Appleby PN, Allen NE et al. (2003): EPIC-Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31546 non meat-eaters in the UK. Public Health Nutr 6 (3), 256-69

13Key TJ, Appelby PN, Travis RC et al. (2009): Cancer incidence in vegetarians: results from the European Prospective Investigation into cancer and nutrition (EPIC-Oxford). Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1613S-1619S

14Butler TL, Fraser GE, Beeson WL, Knutsen SF et al. (2008): Cohort profile: the Adventist Health Study-2 (AHV-2). Int J Epidemiol 37 (2), 260-5

15Ebd.

16Davey GK, Spencer EA, Appleby PN, Allen NE et al. (2003): EPIC-Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31546 non meat-eaters in the UK. Public Health Nutr 6 (3), 256-69

17Appleby PN, Davey GK, Key TJ (2002): Hypertension and blood pressure among meat eaters, fish eaters, vegetarian, fish eaters, vegetarians and vegans in EPIC-Oxford. Public Health Nutr 5(5), 645-54

18Leitzmann C, Keller M (2010): Vegetarische Ernährung. 2. Auflage. Stuttgart: Eugen Ulmer Verlag, 134

19Ebd., 20

20Christ H,  Brauner R (2004): Risiken der Nutzung der Gentechnik in der Landwirtschaft, 40 S. Öko-Institut, Freiburg

21Potthof C (2006): Mit Sicherheit nicht sicher. Ökologie und Landbau 140 (1), 30-2

22Leitzmann C, Keller M (2010): Vegetarische Ernährung. 2. Auflage. Stuttgart: Eugen Ulmer Verlag, 323

23Lünzer I (1992): Rohstoff- und Energiebilanzen aus ökologischer Sicht. In: Vogtmann H (Hrsg). Ökologische Landwirtschaft, 277-302. Müller, Karlsruhe, 2. Aufl.

24Bockisch FJ (Hrsg) (2000): Bewertung von Verfahren der ökologischen und konventionellen landwirtschaftlichen Produktion im Hinblick auf den Energieeinsatz und bestimmte Schadgasemissionen. Studie als Sondergutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. 206, S. Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, Braunschweig, 169 u. 178f.

25Rejnders L (2001): Environmental impacts of meat production and vegetarianism. In Sabaté J (ed.) Vegetarian nutrition, p.441-61. CRC Press, Boca Raton, 449

26Hurrigan L, Lawrence RS, Walker P (2002): How sustainable agriculture can address the environmental and human health harms of industrial agriculture. Environ Health Perspect 110 (5), 445-56

27Rejnders L (2001): Environmental impacts of meat production and vegetarianism. In Sabaté J (ed.) Vegetarian nutrition, p.441-61. CRC Press, Boca Raton, 452

28United Nations (2017): Population Division. World Population Prospects 2017, Zugriff am 10. Oktober 2018. Verfügbar unter https://population.un.org/wpp/

29Hoffmann I (2002): Ernährungsempfehlungen und Ernährungsweisen. Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft, 462 S. Habitulationsschrift, Universität Gießen, 308

30Vermeulen, S J et al. (2012): Climate Change and Food Systems. Annual Review of Environment and Resources 37, p.195–222

31Von Körber K, Leitzmann C, Männle M (2006): Vollwert-Ernährung. Konzeption einer zeitgemäßen und nachhaltigen Ernährung. 10. Auflage. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag, 14


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