Obst und Gemüse

Obst und Gemüse

Und auch wenn Obst und Gemüse zwei Lebensmittelkategorien für sich darstellen, lassen sich die Vorteile dieser pflanzlichen Lebensmittel oftmals im Einklang erörtern. Prof. Dr. Claus Leitzmann brachte es in einem persönlichen Interview im Zuge einer meiner Hausarbeiten auf den Punkt:

„Wenn wir Lieschen Müller fragen was gesund ist, kommt als Antwort: Viel Obst & Gemüse und ausreichend Bewegung. Da ist schon sehr viel Wahres dran. Dies zeigt uns, dass es weniger am Wissen, als an der Umsetzung hapert.“

Prof. Dr. Claus Leitzmann

Wenn die Menschen eines über Gesundheit wissen, dann ist es der Fakt, dass reichlich Obst und Gemüse der Gesundheit guttut.

Fast jeder kennt mahnende Worte der Großmutter am Esstisch wie beispielsweise „Iss auch das Gemüse, das ist gesund“. Doch was macht Gemüse und Obst so gesund?

Zusammenfassend ist die Antwort darauf recht simpel. Eine Ernährungsweise mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln (die klassische pflanzliche westliche Kost besteht neben Getreide eben aus Obst und Gemüse) enthält eine Vielzahl an gesundheitsförderlichen Stoffen. Allen voran die sekundären Pflanzenstoffe und Ballaststoffe leisten einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung, Wiederherstellung und Förderung der Gesundheit. Gleichzeitig schränkt ein hoher Anteil pflanzlicher Lebensmittel den Anteil an Tierischen stark ein.Und, dass gerade die Zusammensetzung der Ernährung, insbesondere die Relation von tierischen zu pflanzlichen Lebensmitteln, das Risiko für ernährungsmitbedingte Erkrankungen bestimmt, weiß die Wissenschaft nicht erst seit dem DGE-Positionspapier zur veganen Ernährung 2016.Eine Ernährungsweise mit einem hohen Anteil an tierischen Lebensmittel enthält naturgemäß weniger pflanzliche und damit weniger gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe. Gleichzeitig enthält sie jedoch viele gesundheitlich problematische Stoffe wie gesättigte Fettsäuren, Cholesterin, Purine und/oder freies Eisen. Die Aufnahme dieser Substanzen kann zu ernährungsassoziierten Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs beitragen.3

Dies bestätigt seit 1981 auch das Standardwerk „Die Vollwerternährung – Konzeption einer zeitgemäßen und nachhaltigen Ernährung“. Hier wird ebenfalls erwähnt, dass Gemüse, aber auch Obst, eine hohe Dichte an essenziellen Nährstoffen wie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen hat. Gerade frisches, nicht erhitztes Gemüse, welches täglich auch in dieser Form verzehrt werden sollte, liefert viele Nahrungsbestandteile in nahezu unveränderter Form. Zahlreiche Studien belegen eine besonders protektive Wirkung bezüglich der Krebsentstehung. Ökologisch erzeugtes Gemüse ist weitaus weniger mit Nitrat und Pestiziden belastet und vorteilhafter für die Umwelt. Aus ökologischen Gesichtspunkten sollte vor allem frisches, saisonales und regionales Gemüse verzehrt werden.4

Auch die gängige Populärliteratur empfiehlt fast immer Gemüse beinahe unbegrenzt zu verzehren. Das liegt daran, das Gemüse sehr energiearm, dafür jedoch sehr nährstoffreich ist.5

Aber auch die Wissenschaft ist sich einig:

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt deshalb mit Bezug auf eine Veröffentlichung der FAO und WHO täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse zu verzehren. Die Portionsgrößen variieren dabei zwischen 80 und 130 g, sodass auch die Tagesmengenempfehlungen zwischen 400 und 650 g liegen. Diese Mengen sollten zu etwa zwei Drittel aus Gemüse und einem Drittel aus Obst bestehen.6, 7

Wichtig ist jedoch der Hinweis, dass es sich bei diesen Empfehlungen um eine Minimalzufuhr handelt. Wie auch die DGE in einer Veröffentlichung betont, ist das Risiko für das Eintreten von bestimmten Krankheiten geringer, je mehr Gemüse und Obst gegessen wird.8 Denn Untersuchungen aus dem Jahr 2014 aus Großbritannien und 2016 aus Australien legen nahe, dass eine Risikoreduktion auch weiter bis zu einer Zufuhr von sieben Portionen Gemüse und Obst pro Tag stattfindet.9, 10

Das Risiko für die zwei häufigsten Todesursachen weltweit11, Schlaganfälle und Herzerkrankungen, werden durch den Verzehr der beiden Lebensmittelgruppen mit überzeugender Evidenz gemindert.12 Nicht im selben Maß gesichert, aber immer noch wahrscheinlich, ist die krebspräventive Wirkung von Obst und Gemüse, während auch eine Risikosenkung in Bezug auf rheumatoide Arthritis, chronische obstruktive Lungenerkrankung, Asthma, Osteoporose, diverse Augenerkrankungen und Demenz als möglich anzusehen sind.13

Und auch eine der zehn Expertenempfehlungen des Expert Reports des World Cancer Research Fund International (WCRF) und des American Institute for Cancer Research (AICR) lautet, dass die Steigerung des Obst- und Gemüseverzehrs eines der bedeutendsten Ziele des öffentlichen Gesundheitswesens darstellen sollte.14 Die Daten der Nurses‘ Health Sutdy, der Nurses‘ Health Study II sowie der Health Professionals Follow-up Study entkräften darüber hinaus auch das Märchen über die Beziehung zwischen steigendem Obstverzehr und einem erhöhten Diabetesrisiko. Die insgesamt 190.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde über eine Laufzeit von mehr als 20 Jahren beobachte und es konnte sogar bestätigt werden, dass mit einem steigenden Obstkonsum, trotz des Fruchtzuckers, mit einem verminderten Risiko für die Entstehung von Diabetes-Mellitus Typ-2 einhergeht.15 Verzehrt man die Früchte als ganzes Lebensmittel, so haben die sekundären Pflanzenstoffe, aber auch die Ballaststoffe, einen blutzuckerregulierenden Effekt. Dies bestätigten auch Untersuchungen, in denen der Blutzucker einer Gruppe weniger stark anstieg, wenn sie eine Testmahlzeit aus 150 g gemischten Beeren und zusätzlich 35 g zugesetztem Zucker enthielt. Die Vergleichsgruppe, die statt 150 g gemischten Beeren, die gleiche Menge Fruktose und Glukose erhielt, wies einen deutlich höheren Blutzuckeranstieg aber auch einen schnelleren -abfall auf, obwohl die absolute Menge und Art von Zucker in beiden Gruppen gleich war.16, 17 

Trotz dieser erwiesenen Vorteile erreichen laut der Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II), 87 % der Befragten in Deutschland nicht die von der DGE empfohlenen 400 g Gemüse und 59 % der Befragten nicht die empfohlenen 250 Gramm Obst pro Tag.18

Diese Erhebung wird durch die Ergebnisse der Global Burden of Disease Study bestätigt. Ein zu geringer Gemüseverzehr ist demnach auf dem fünften Platz der Ursachen für frühzeitige Invalidität und Mortalität, während ein zu geringer Obstverzehr sogar die häufigste Todes- oder Invaliditätsursache darstellt.19


QUELLEN:1

1Leitzmann C, Keller M (2010): Vegetarische Ernährung. 2. Auflage. Stuttgart: Eugen Ulmer Verlag, 337*

2Richter M, Boeing H, Grünewald- Funk D, Heseker H, Kroke A, Leschik-Bonnet E, Oberritter H, Strohm D, Watzl B for the German Nutrition Society (DGE) (2016) Vegan diet. Position of the German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau 63(04): 92– 102. Erratum in: 63(05): M262

3Leitzmann C, Keller M (2010): Vegetarische Ernährung. 2. Auflage. Stuttgart: Eugen Ulmer Verlag, 337*

4Von Körber K, Leitzmann C, Männle M (2006): Vollwert-Ernährung. Konzeption einer zeitgemäßen und nachhaltigen Ernährung. 11. Auflage. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag, 239

5Ebd.

6Food and Agriculture Organization (2017): Fruit and vegetables for health initiative. Zugriff am 1. November 2018. Verfügbar unter https://bit.ly/2q3u4xN

7Boeing H, Bechthold A, Bub A, Ellinger S, Haller D, Kroke A et al. (2012): Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Stellungnahme – Gemüse und Obst in der Prävention ausgewählter chronischer Krankenheiten. Zugriff am 1. November 2018. Verfügbar unter https://bit.ly/2H8GzAf

8Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2012): Ein hoher Gemüse- und Obstverzehr fördert die Gesundheit – DGE stellt wissenschaftliche Datenlage vor. Zugriff am 1. November 2018. Verfügbar unter https://bit.ly/2IqY8uQ

9Oyebode O, Gordon-Dsegau V, Walker A und Mindell JS (2014): Fruit and vegetable consumption and all-cause, cancer and CVD mortality: analysis of Health Survey for England data. I Epidemiol Community Health, 68(9), 856-862

10Nguyen B, Baumann A, Gale J, Banks E, Kritharides L und Ding D (2016): Fruit and vegetable consumption and all-cause mortality: evidence from a large Australian cohort study. Int J Behag Nutr Phys Act, 13, 9

11World Health Organization (2017): The top 10 causes of death. Zugriff am 1. November 2018. Verfügbar unter https://bit.ly/1c9a3vO

12Boeing H, Bechthold A, Bub A, Ellinger S, Haller D, Kroke A et al. (2012): Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Stellungnahme – Gemüse und Obst in der Prävention ausgewählter chronischer Krankenheiten. Zugriff am 1. November 2018. Verfügbar unter https://bit.ly/2H8GzAf

13Ebd.

14World Cancer Research Fund/ American Institute for Cancer Research (2007): Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Cancer: a Global Perspective. Washington DC:AICR. Zugriff am 1. November 2018. Verfügbar unter http://bit.ly/1UZwVOn

15Muraki I, Imamura F, Manson JE, Hu FB, Willett WC, van DAm RM und Sun Q (2013): Fruit consumption and risk of type 2 diabetes: results from three prospective longitudinal cohort studies. BMJ, 347, 5001

16Törrönen R, Sarkkinen E, Niskanen T, Tapola N, Kilipi K und Niskanen L (2012): Postprandial glucose, insulin and glucagon-like peptide 1 responses to sucrose ingested with berries in healthy subsjects. Br J Nutr, 107(10), 1445-1451

17Ebd.

18Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrs Studie II – Ergebnisbericht, Teil 2. Zugriff a m 1. Juni 2018. Verfügbar unter https://bit.ly/2GThvzs

19Lim S.S., Vos T., Flaxman A.D., Danaei G., Adair-Rohani H. et al. (2012): A comparative risk assessment of burden of disease and injury attributable to 67 risk factors and risk factor clusters in 21 regions, 1990-2010: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2010. Lancet, 380(9859), 2224-2260


Alle verwendeten Zitate bzw. Literaturquellen wurden mit Fußnoten und teilweise Verlinkungen kenntlich gemacht. Soweit Affiliate-Links verwendet wurden, wurden diese mit einem Sternchen* markiert. Zur rechtlichen Absicherung des Autors werden hiermit dennoch alle Verlinkungen als Werbung kenntlich gemacht.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen