Muss es denn die Veggie-Wurst sein?
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Muss es denn die Veggie-Wurst sein?

Alternative Ernährungsformen sind auf dem Vormarsch. Tatsächlich haben viele Deutsche Fleisch von ihren Tellern verbannt. Eine steigende Tendenz für die Zahl der Menschen, die sich überwiegend oder ausschließlich pflanzlich ernähren, ist anzunehmen.1  In Deutschland ernährten sich vor zwei Jahren schätzungsweise schon etwa 8 Millionen Menschen vegetarisch und rund 1,3 Millionen Menschen vegan.2 Auf diese Zahlen beruft sich auch ProVeg Deutschland e. V. (ehemals VEBU- Vegetarierbund Deutschland e. V.) und schätzt weiter, dass täglich 200 Veganer hinzukommen.3 Aktuellere und genauere Angaben zum Anteil von Veganern an der deutschen Bevölkerung liegen jedoch bisher kaum vor.4

Den neuen Trend hat auch die Lebensmittelindustrie erkannt. Auf dem Markt finden sich zunehmend neue vegetarische und vegane Produkte. Hier gilt es genau hinzuschauen. Die Ersatzzutaten sind dabei nicht immer pflanzlich. Im Gegensatz zu veganen Produkten enthalten vegetarische Produkte auch oftmals tierisches Eiweiß wie Hühner- oder Milcheiweiß. Ob dies tierethisch und ökologisch noch den Vorstellungen vieler Käufer entspricht, hinterfragte im September 2018 das Magazin Stern. Dort wird in einer Beispielrechnung erläutert, dass für die Herstellung einer vegetarischen Mortadella mehr Tiere als für das „Original“ sterben müssen. Der Autor verweist dabei auf die erheblichen Mengen an Eiklar und damit Eiern, welche für die Herstellung der Alternativen benötigt werden. Ebenfalls erwähnt er die Massentötung der männlichen, nicht eierlegenden Hühner. Rein vegane Produkte, die meistens auf Soja-, Hülsenfrucht- und/oder Weizenglutenbasis hergestellt werden, sind dahingehend ethisch und ökologisch deutlich vertretbarer.5

Gesundheitlich sind die Produkte ebenfalls kritisch zu bewerten. Zwar enthalten sie in der Regel weniger herzschädigende gesättigte Fettsäuren und Cholesterin, aber gleichzeitig ist die Verwendung von Salz, Zusatzstoffen und Aromen im Schnitt stark erhöht. Gerade der hohe Salzgehalt kann sich ungünstig auf die Gesundheit auswirken und z. B. Bluthochdruck begünstigen.6

Die Erwartung der Verbraucherinnen und Verbraucher, dass Ersatzprodukte gesundheitlich besser zu bewerten sind, wird somit nur bei einzelnen Produkten erfüllt.

Es sollte deshalb auf eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung geachtet werden. Durch den Genuss von Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen sowie frischem Obst und Gemüse (vgl. die fünf Hauptlebensmittelgruppen) ist eine gute Nährstoffversorgung größtenteils, auch oder gerade ohne die Veggie-Wurst, sichergestellt.

Photos by Tom Hermans, ja ma, Wesual Click, Brooke Lark, Gaelle Marcel, Daniel Hansen, Cathal Mac an Bheatha on Unsplash

Quellen:

1Weder, Stine, Caroline Schaefer, und Markus Keller. 2018. „Die Gießener vegane Lebensmittelpyramide.“ Ernahrungs Umschau65(8): 134-143

2Skopos. 2016. 1,3 Millionen Deutsche leben vegan.Zugriff am 02. November 2018. Verfügbar unter: https://www.skopos.de/news/13-millionen-deutsche-leben-vegan.html

3ProVeg Deutschland. 2018. Vegan-Trend: Daten und Fakten zum Veggie-Boom.Zugriff am 02. November 2018. Verfügbar unter: https://vebu.de/veggie-fakten/entwicklung-in-zahlen/vegan-trend-fakten-zum-veggie-boom/

4Weder, Stine, Caroline Schaefer, und Markus Keller. 2018. „Die Gießener vegane Lebensmittelpyramide.“ Ernahrungs Umschau65(8): 134-143

5Stern.de (2018): Für vegetarischen Wurstaufschnitt sterben mehr Tiere als für das „Original“. Zugriff am 15. Dezember 2018. Verfügbar unter: https://www.stern.de/genuss/essen/rechenbeispiel–fuer-veggie-wurst-sterben-mehr-tiere-als-fuer-das–original–8350418.html

6Huber J, Keller M. Ernährungsphysiologi- sche Bewertung von konventionell und öko- logisch erzeugten vegetarischen und veganen Fleisch- und Wurstalternativen. Studie im Auftrag der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Berlin (2017). Zugriff am 15. Dezember 2018


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