Mein Interview mit Nutrition Hub

Mein Interview mit Nutrition Hub

Die Mädels von Nutrition Hub leisten unglaubliche Arbeit. Die Gründerinnen Lia Schmoekel und Dr. Simone K. Frey haben sich zum Ziel gesetzt Ernährungsexpertise für Unternehmen und Organisationen zugänglich zu machen. Dafür stellen sie die größte Community und Marktplatz für Lebensmittel- und Ernährungsexperten in Deutschland zusammen. Sie bringen deshalb Ernährungsfachkräfte aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Organisationen bzw. Unternehmen miteinander in Kontakt. So geschehen auf dem ersten Nutrition Influencer Dinner, von dem ich bereits auf Instagram berichtete.

Da ich mich mit den Werten von Nutrition Hub total identifizieren kann habe ich die beiden einfach angeschrieben, als sie über ihre Social Media Kanäle Interviewpartner suchten. Und siehe da…hier ist das Interview. (Linksammlung)

Wie ich vom Studium zum Diplom Finanzwirt zur Oecotrophologie kam, warum ich mich für die pflanzliche Ernährung einsetzte, welche Aufgaben Ernährungsexperten in der Gestaltung der zukünftigen Ernährung haben und was ich an Nutrition Hub noch alles so gut finde, erfahrt ihr im Interview. (das Originalinterview ist verlinkt)

Aber schaut Euch gerne auch abseits des Interviews mal auf der Seite www.nutrition-hub.com um. Es gibt viele spannende Inhalte und vielleicht könnt Ihr als Ernährungsfachkräfte auch bald Mitglied der Community Nutrition Hub sein.

Tim, Du wolltest Finanzwirt werden und hast Dich umentschieden – wie kam es dazu?

Genau, „hauptberuflich“ bin ich Student und studiere Oecotrophologie an der Hochschule Fulda im fünften Semester. Kurz nach dem Abitur habe ich zunächst ein duales Studium zum Diplom-Finanzwirt begonnen. Da ich mich jedoch auch nach knapp einem Jahr nicht mit dem Thema Steuerrecht und der Institution Finanzamt anfreunden konnte, war mir klar, dass ich das Studium abbrechen werde. Meine Freundin studierte zu der Zeit schon Oecotrophologie und in gemeinsamen Gesprächen begeisterten mich ihre Module und deren Inhalte, da ich u. a. die Verknüpfungen zu meinem sehr geliebten Leistungskurs Biologie sah. Und so kam es, dass ich im Oktober 2016 an der Hochschule Fulda anfing Oecotrophologie zu studieren.

Auch jetzt knapp fünf Semester später kann ich sagen, es war genau die richtige Entscheidung, da ich voll und ganz in diesem Studiengang aufgehe. Während des Studiums hat sich dann auch mein Interesse für die überwiegend bis rein pflanzliche Ernährung herauskristallisiert. Viele Kommilitonen ernährten sich schon vegetarisch oder sogar vegan, sodass diese Ernährungsweisen oftmals zusätzlich oder auch über Themen des Studienalltags hinaus, vertieft wurden. Als ich dann anfing mich überwiegend vegan zu ernähren, wurde ich auch außerhalb des Studiums des Öfteren mit bestimmten Fragen, Vorurteilen oder Unwahrheiten durch Kritiker aber auch durch Befürworter konfrontiert. Trotz vieler Chancen, die eine solche Ernährungsweise bietet, konnte ich die Risiken und Bedenken verstehen. Schnell hat sich für mich herausgestellt, dass ich meine Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten und die pflanzlichen Ernährungsweisen kombinieren und etwas Eigenes auf die Beine stellen möchte. Und so rief ich im Oktober 2018 die Plattform vwissen.org ins Leben. Auf einer Art Blog, aber auch auf Social-Media-Kanälen wie Instagram, Facebook oder Twitter informiere ich, meinem Anspruch nach, sehr wissenschaftlich orientiert über Themen rund um eine vegetarische und vegane Ernährung. Geld verdiene ich damit momentan nicht, aber es macht mir großen Spaß und ich bin mit viel Herzblut dabei. Finanziell unterstützt werde ich wie viele Studenten noch von meinen Eltern, den Großteil meines monatlichen Einkommens verdiene ich jedoch abseits der Ernährungsbranche selbst durch einen Aushilfsjob in einem Tagungszentrum.

Du unterstützt eine KITA bei einer veganen Verpflegung? 

Das fünfte Semester an unserer Hochschule ist ein sogenanntes Praxissemester. In der ersten Hälfe des Semesters habe ich mein 16-wöchiges Praktikum bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz absolviert, sodass ich die zweite Semesterhälfte momentan voll und ganz für die Arbeit an meiner Bachelorthesis nutzen kann. Die Arbeit mit dem Thema „Vegane Kitaverpflegung – wie gut kann ein rein pflanzlicher Speiseplan sein?“ entsteht gerade in Kooperation mit einer der ersten veganen Kitas in Deutschland, der Kita Erdlinge aus München.

Dabei wird im ersten Teil eine allgemeine ernährungswissenschaftliche Bewertung einer veganen Ernährung sowie explizit einer rein pflanzlichen Kinderernährung vorgenommen und aktuelle Ernährungsempfehlungen bzw. Richtlinien sowohl für eine ausgewogene Mischkost als auch für eine vegane Ernährung gegenübergestellt. Im Hauptteil wird ein 4-Wochenspeiseplan (20 Verpflegungstage) ernährungsphysiologisch evaluiert und bewertet). Dabei soll der Frage nachgegangen werden, wie sich das Nährstoffprofil der angebotenen Speisen im Vergleich zu den physiologischen Anforderungen und den bei veganer Ernährung kritischen Nährstoffen darstellt.

Du setzt Dich für pflanzliche Ernährung ein – warum ist das so wichtig?

Ich setze mich für den Bereich der überwiegend oder rein pflanzlichen Ernährung ein. Gerade in diesen Bereichen ist ein starkes Wachstum zu beobachten, obwohl immer noch viele Mythen und Unwahrheiten existieren – sowohl von Seiten der Befürworter als auch von Kritikern. Ein großes Problem sehe ich auch darin, dass es noch viel zu wenige offizielle Ernährungsempfehlungen und Richtlinien für eine vegane Ernährung gibt und Menschen, die sich für eine solche Ernährungsweise entscheiden, oftmals noch zu lange auf sich allein gestellt sind. Gerade im Hinblick auf meine Bachelorarbeit fehlt es beispielsweise an Empfehlungen und Hilfestellungen für Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung. Für eine ausgewogene Mischkost gibt es die sogenannten DGE-Qualitätsstandards, die seit kurzem durch Kriterien für eine ovo-lacto-vegetarische Menülinie ergänzt werden können. Für eine rein-pflanzliche Küche fehlen äquivalente Richtlinien.

Wo siehst Du die Aufgaben der Ernährungsexperten in der Gestaltung der zukünftigen Ernährung?

Ernährung betrifft uns alle, denn wir essen tagtäglich. Viel geschieht unbewusst und doch hat dieser Teil unseres Lebens einen so großen Einfluss auf uns selbst, unsere Mitmenschen, Tiere und Umwelt. Diese Beziehungen werden immer deutlicher und die Auswirkungen immer gravierender. Als Ernährungsfachkräfte haben wir in unserer heutigen Zeit sehr viel Macht. Wir können sehr viel bewegen. Die Chancen sind riesig, die Umsetzung und der Weg zur Realisierung jedoch steinig.

Was mir sehr missfällt, aber im nächsten Atemzug auch einer meiner größten Antriebe ist, ist der Fakt, dass beim Thema Ernährung jeder Experte ist. Wenn ich mein Auto zur Werkstatt bringe und der Kfz-Meister mir sagt, dass das Öl ausgewechselt werden muss, hinterfrage ich das ohne ausreichendes Wissen oder hinreichende Argumente auch nicht. Wenn ich aber als Ernährungsfachkraft, Leute auf die 10 Regeln der DGE aufmerksam mache und demnach eine überwiegend pflanzliche Ernährung, die durch tierische Produkte nur ergänzt wird, empfehle, wissen viele direkt wie wichtig Eisen und Protein für den Stoffwechsel und wie gefährlich Pflanzenschutzdünger für die Gesundheit sind. Dass hier, wahrscheinlich mehr als in vielen anderen Bereichen, Aufklärungsarbeit in größerem Maße betrieben werden muss, spornt mich an.


Hier gehts zum Online-Auftritt von Nutrition Hub:

Webseite: https://www.nutrition-hub.de

Instagram: https://www.instagram.com/nutritionhubofficial/


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