Auf die Verpackung kommt es an
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Auf die Verpackung kommt es an

Müll, gerade Verpackungsmüll ist momentan ein heiß diskutiertes Thema. Jährlich fallen in Deutschland gut 18 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an Mit 220 Kilogramm pro Einwohner und Jahr ist das trauriger Europarekord.Alleine die Anzahl an klassischen Coffee-to-go-Bechern, die durch ihre kurze Nutzungsdauer von etwa 15 Minuten eine schreckliche Umweltbilanz aufweisen, beläuft sich im Schnitt pro Bundesbürger und Jahr auf 60 Stück.3Diese Ver(sch)wendung hat weitreichende Folgen. Mikroplastik in Kosmetika und die Verschmutzung der Weltmeere sind nur einige Beispiele für die unübersehbaren Auswirkungen des weltweiten Konsums auf den Planeten.4

Abhilfe soll das neue Verpackungsgesetz schaffen, das am 1. Januar 2019 in Kraft tritt. Doch Anreize für die Vermeidung von Verpackungsmüll suchen die Verbraucher vergebens. Stattdessen räumt das Gesetz allein dem Recycling, eine hohe Priorität ein. Aber gerade in Deutschland läuft das seit Jahren, auch dank einer gut funktionierenden Infrastruktur, immer besser.

Viel wichtiger scheint es, den Handel und die Verbraucher mehr in die Pflicht zu nehmen. 

Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz produzieren die Hersteller von Fertiglebensmitteln und Drogerieartikeln immer noch viel zu viel unnötigen Verpackungsmüll. Die Verbraucherschützer ermittelten bei einer Stichprobenartigen Untersuchung von 14 Produkten, eine durchschnittliche Höhe von 59 % für den Verpackungsanteil ohne Inhalt.

© Verbraucherzentrale Hamburg e. V.

Im Schnitt lag so der tatsächlich gefüllte Teil der Verpackung nur bei 41 %. Rechtlich gesehen, sind solche „Mogelpackungen“ kaum zu belangen, da es im zuständigen Eich- und Verpackungsgesetz für die Hersteller viel zu viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Produkte gibt. Deshalb fordert die Verbraucherzentrale auch in diesem Gesetz Anpassungen. Grundsätzlich sollte jede Packung bis zum Rand oder zur Naht befüllt werden müssen. Ein Freiraum von maximal 30 % sollte nur dann erlaubt sein, wenn es sich technisch nicht anders umsetzen lässt. 5, 6

Verbraucher sollten grundsätzlich öfter ihr Einkaufsverhalten reflektieren und größtenteils zu unverpackten bzw. umweltverträglich verpackten Produkten greifen. Dafür plädiert das Standardwerk „Vollwert-Ernährung“* schon seit der ersten Auflage 1981.Heutzutage gibt es fast in jeder größeren, teils auch kleineren Stadt sogenannte „Unverpackt-Läden“. Hier können Verbraucher ihre eigenen Plastikschüsseln, Tüten, Baumwollbeutel oder Schraubgläser mitbringen, um vor Ort die Waren selbst abzufüllen. Bezahlt wird mit Hilfe einer Waage. Das Eigengewicht der mitgebrachten „Verpackung“ wird einfach abgezogen und das Gewicht und somit der Preis der eigentlichen Ware ermittelt. Eine „Zero-Waste-Karte“ mit vielen Unverpackt-Läden aber auch einfach „nur“ unverpackt-freundlichen Läden findet sich auf dem Blog Wasteland Rebel! unter:

Ab sofort wird diese Karte aber auch auf diesem Blog unter Wissen – Zero Waste Karte verfügbar sein. 

Es geht aber noch einfacher als gleich seinen ganzen Einkauf verpackungsfrei und vielleicht somit zunächst etwas teurer zu gestalten. Für den Anfang reicht es auch, ein paar Duschgele gegen Kernseifen* zu tauschen, die nächste Handzahnbürste* oder Ohrenstäbchen* als Bambus-Variante zu erwerben oder Mehrweg*– statt Einwegbeutel zu verwenden. 


1Schüler K (2018): Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2016 im Auftrag des Umweltbundesamtes. Mainz. Zugriff am 21.01.2019. Verfügbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/publikationen/aufkommen_und_verwertung_von_verpackungsabfaellen_in_deutschland_im_jahr_2016_final.pdf. S.39

2DUH (Deutsche Umwelthilfe) (2015): Coffee to go – Einwegbecher – Umweltauswirkungen und Alternativen. Hintergrundpapier der Deutschen Umwelthilfe. Zugriff am 22. November 2018. Verfügbar unter: https://www.duh.de/uploads/tx_duhdownloads/DUH_Coffee-to-go_Hintergrund_01.pdf. S.7 

3VZ NRW (Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen) (2019): Coffee to go: Einwegbecher vermeiden. Zugriff am 22. November 2018. Verfügbar unter: https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/umwelt-haushalt/abfall/coffee-to-go-einwegbecher-vermeiden-12332

4Glogowski S (2018): Plastik: Kunststoff für die Ewigkeit. Herstellung, Verbrauch, Abfall und Umweltproblematik. Ernaehrungs Umschau 65(5): 258-262

5VZ Hamburg (Verbraucherzentrale Hamburg e. V.) (2018): Müllflut im Supermarkt: Mehr Verpackung als Inhalt. Röntgenbilder der Verbraucherzentrale entlarven Luftverpackungen. Pressemitteilung vom 20. November 2018

6Redaktion der Ernährungsumschau (2019): Nachhaltigkeit: Müllflut im Supermarkt – Mehr  Verpackung als Inhalt. Ernährungs Umschau 66 (1): M5. Zugriff am 21.01.2019. Verfügbar unter: https://www.ernaehrungs-umschau.de/print-news/15-01-2019-nachhaltigkeit-muellflut-im-supermarkt-mehr-verpackung-als-inhalt/

7Von Körber K, Männle T, Leitzmann C (2006): Vollwert-Ernährung. Konzeption einer zeitgemäßen und nachhaltigen Ernährung. 10. Vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Kartonierte Sonderausgabe. Karl F. Haug Verlag, Stuttgart. S. 167ff.


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